Interview mit Frau Metzinger
Im Jahr 2005 durchgeführt von ProjektstudentInnen der FH-Köln


Frau Metzinger, schon in den 70er Jahren betreuten Sie neben sechs eigenen Kindern die vernachlässigten Nachbarkinder, organisierten Ausflugsfahrten und verwirklichten einen Spielplatz. Aus Ihrem Engagement entstand 1986 die „HoSe“, der „Holweider Selbsthilfe e. V“.

Angefangen hat es mit dem Umbau des Spielplatzes. Uns haben viele betroffene Mütter geholfen. Die Mütter haben auch die Aufgaben der Betreuung der Kinder übernommen.

Damals sind wir auch oft mit den Kindern ins Phantasialand gefahren. Wir haben ganz viel mit den Kindern unternommen. Das war Mitte der 80er.

Damals gab es auch in der Siedlung keine Heizung in den Wohnungen. Es war deswegen eine hohe Fluktuation, viele sind aus der Siedlung ausgezogen. Es wurden die Anträge gemacht für den Umbau der Wohnungen. Wir haben zusammen mit dem Wohnungsamt und Jugendamt an diesem Problem gearbeitet, an der Planung vom Umbau der Wohnungen.

Wie geht man als Ehrenamtlicher mit den Behörden um?

Ich bin mit dem Jugendamt immer klar gekommen. Wir haben zusammen mit Herrn Münch (Sozialarbeiter vom Wohnungsamt) gearbeitet. Ich habe gedacht: Ich werde mich für die Belange der Siedlung, für die Kinder der Siedlung einsetzen. Natürlich hatten wir sehr viele Schwierigkeiten. Viel hat uns auch der evangelische Pfarrer Herr Himmeröder geholfen.

Wir hatten kein Geld. Ein Quadratmeter kostete damals 40 DM. Wir haben bei Grund und Boden auf 7 DM gehandelt und so dieses Lokal gemietet.

Was war Ihre Motivation damals?

Die ganze Arbeit war für mich Lebenselixier. Wenn ich etwas erreichen wollte, habe ich so lange drauf bestanden bis es geklappt hat. Und die Arbeit lief ehrenamtlich. Im Treff konnten wir ein Jahr über HzA und drei Jahre über ABM die Mütter beschäftigen. Wir hatten 17 Angestellte. Heute droht über alles die Sperrung. Man hatte viel erreicht, obwohl viel gekämpft wurde.


Wie kann man in dieser Situation überleben?

Ich weiß es nicht. Ich habe noch heute Dank. Manchmal grüßt mich ein 2-Meter-Kerl. Wir sind damals mit 250 Kindern nach Phantasialand gefahren. Dankbar waren diese Kinder schon.
(Sie erzählt liebevoll eine Geschichte, wie sie sich um einen Jungen Sorgen gemacht hat, der sich auf einem Spielplatz versteckt hat und für die Mutter ein Schlüsselbrett gebastelt hat).

Sie haben in Holweide sehr viel erreicht und wurden sogar für Ihre Arbeit mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet, dass sollte Mut für die Zukunft machen.

Damals sagten uns die Eltern: Es ist toll, da machen wir mit. Heute: Irgendwann geht es nicht mehr. Ich musste es auch lernen. Mit dem normalen Schulabschluss musste man auch beweisen, dass man jemand ist. Einige sagen mir heute: „ Was du konntest, können wir nicht“!

Damals haben Sie selbst als betroffene Mutter gehandelt. Meinen Sie, heutige Mütter...

Den Müttern ist doch heute egal, was mit den Kindern passiert. Das hat nicht nur mit den Ausländern zu tun. Die Motivation der Eltern ist einfach nicht da. Es ist wirklich schade.

Was kann man dagegen machen?

Die paar motivierten Leute sind zu wenig. Wir konnten damals Leute motivieren. Heute ist die Siedlung tot. Die Leute in der Siedlung haben mit ihrer Perspektive abgeschlossen.

Natürlich haben wir die Kinder, die sagen: So wie die Eltern nicht! Hier meine ich die Kinder, die aus der Unterschicht herkommen. Diese Kinder bemühen sich um einen Arbeitsplatz.
Vor 30 Jahren z.B.: Karneval. Die Leute waren motiviert, haben vor dem Fest viel gebastelt.

Vor fast einem Jahr haben die Studenten von der FH- Köln eine Bürgerbefragung in der Siedlung durchgeführt...

Wir hatten hier schon vor ca. 10 Jahren eine Befragung gehabt. Wir haben auch einen Fragebogen erstellt. Die Auswertung wurde von Grund und Boden übernommen. Diese Arbeit war umsonst. Durch diese Arbeit sind wir aber an den Runden Tisch gekommen.

Vor kurzem wurde eine Internetseite von der HoSe eingerichtet...

Das alles haben wir schon mal gehabt. Ihr bewegt euch im Kreis.

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie z.B.: genügend engagierte Leute hätten?

Diese heutige Situation mit der Elterninitiative ist unerklärlich. Ich konnte mich damals auf den Jugendlichen verlassen.

Bald feiern wir 20jähriges Jubiläum. Ich wurde immer von verschiedenen Organisationen, Vereinen eingeladen. Ich war immer auf allen Karnevalsitzungen.

Was fehlt im Stadtteil, um weiterhin Erfolg zu haben?

Es liegt an den Leuten, die hier wohnen. Die Ausländer, die hier wohnen, verlangen, das wir uns ihnen anpassen, nicht sie uns. Wo wir mit meinem Mann hierher eingezogen sind, hatten wir hier im Haus eine Hausgemeinschaft. An unserem Hochzeitstag war hier in der Wohnung die ganze Hausgemeinschaft, um zu gratulieren.

Heute versprechen die Leute dass sie kommen und helfen, kommen aber nicht.

Was könnte noch für die „HoSe“ hilfreich werden?

Eine starke Persönlichkeit. Es muss jemand da sein, der auf allen Veranstaltungen da ist.
Es muss gesehen werden, dass die „HoSe“ da ist.

Das Jugendzentrum ist auch mit meiner Hilfe organisiert worden. Damals hat uns bei allen Unternehmungen CDU und SPD geholfen. Diese Zusammenarbeit war erfolgreich.

Wir haben auch immer mit den Studenten gearbeitet.