Geschichte der GWA und Theorieansätze

Alles begann 1877 in Buffalo, USA so wie vieles innerhalb der Sozialarbeit. Aufgrund der kapitalistischen Prinzipien in den USA waren die Bewohner darauf angewiesen, sich selbst und gegenseitig zu helfen. Es entstanden die ersten „Community Organisationen“, wie die Gemeinwesenzentren in den USA genannt wurden.

Im 19 Jahrhundert übernahmen die Engländer dieses Konzept unter dem Titel „Settlement Bewegung“. Es wurde durch die Quäker gegründet und durch die Hochschulen weitergeführt.

Nach dem 2. Weltkrieg beschlossen die Alliierten diese Bewegung auch in Deutschland einzuführen, um die Jugend zu Demokraten zu erziehen. Die Gemeinwesenarbeit wurde gegründet.

Durch die Arbeiten von Herta Kraus ist die GWA seit 1951 ein Bestandteil der Sozialarbeit. Hierdurch ging jedoch der ursprüngliche Gedanke, dass alle Beteiligten, wie z. B. Ärzte, Geistliche und Beamte, GWA in ihrer Ausbildung lernen, verloren.

In den 60er Jahren wurde GWA nicht mehr als einzelne Methode gesehen sondern als Arbeitsfeld, wodurch mehr Handlungsmöglichkeiten entstanden, die in den 70er Jahren als Ausbildungsinhalt der Sozialarbeit an den Fachhochschulen übernommen wurden.

Im Laufe der GWA-Diskussion wurden die Möglichkeiten des Handelns immer größer, und aus dem Arbeitsfeld wurde das Arbeitsprinzip GWA, wodurch der neue Ansatz von Problemanalyse und Lösung (nicht mehr: wenn - dann) verdeutlicht werden sollte. Auf diesem Standpunkt steht die Diskussion noch heute.

1. Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit
1972, Bericht von der britischen Studiengruppe „ The Calouste Gulbenkian Foundation“ (CGF)

Ziel dieses Ansatzes ist eine Verbesserung des Dienstleistungsangebots der im Wohnviertel tätigen Institutionen und Behörden. Das heißt: Schaffung von Angeboten wie Hausaufgabenhilfe, Freizeitmaßnahmen. Die Entscheidungskompetenz über die Angebote liegt bei den Institutionen.

2. Integrative Gemeinwesenarbeit
1971, von M.G. Ross

Ziel ist es, dass alle Bürger und Gruppen sich mehr als bisher mit ihrem Gemeinwesen identifizieren. Ferner entwickelt sich ein verstärktes Interesse und eine intensivere Teilhabe an den Problemen des Gemeinwesens. Gemeinsame Wertvorstellungen machen es möglich, integrative Probleme zu lösen.

3. Aggressive Gemeinwesenarbeit
1972, P. Aich, O. Bujard, C. W. Müller, P. Nimmermann.

Dieser Ansatz zielt auf Veränderung von Kräfteverhältnissen und Machtstrukturen innerhalb eines Wohnquartiers durch solidarischen Zusammenschluss von Minderheiten.

4. Gemeinwesenarbeits- Strategien nach S.D. Alinsky
Demokratie an der Basis wird erst dann wirksam, wenn die benachteiligte Bevölkerung sich selbst organisiert. Bei Alinsky ist der Gemeinwesenarbeiter ein so genannter Praxisberater, der konsequent auf der Seite der Benachteiligten ist. Sein oberster Grundsatz lautet: „ Dort beginnen wo die Leute stehen.“

5. Katalytisch- aktivierende Gemeinwesenarbeit
1971, R. und H. Hauser sowie in Anlehnung an sie 1976, A. Seippel und W. Hinte, 1978, F. Karras

Der Gemeinwesenarbeiter ist Katalysator und sollte Prozesse durch soziales Lernen bei Stadtteilbewohnern anregen. Zentraler Gedanke aktivierender Gemeinwesenarbeit ist die Gruppenselbsthilfe. Neben der Bildung vieler Initiativgruppen sollte bei diesem Ansatz in jedem Gemeinwesen eine zentrale Anlaufstelle (Bürgerladen) bestehen.

Ferner setzt dieser Ansatz sich für eine stärkere politische Partizipationsmöglichkeit der Bürger ein.
Strategisch plädiert das Konzept für „Koalitionen auf Zeit“ auf der Grundlage kleinster gemeiner Nenner. Alle Gruppen des Gemeinwesens arbeiten auf der Wertebasis der Menschenrechte zusammen.

Verbreitet ist dieser Ansatz bei zeitlich befristeten Projekten.