Ein Beispiel für Bewohnerbefragung

Aktivierende Befragung in der Gerhart-Hauptmann-Siedlung im Jahr 2004

Kooperationsprojekt zwischen „Holweider Selbsthilfe e. V“, „Veedel e. V.“ und der FH Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, durchgeführt von Studenten des Arbeitsfeldes Gemeinwesenarbeit. Verantwortlich für dieses Projekt war für die FH Köln Professor Wilfried Deppe (Soziologe und Arbeitsfeldkoordinator). Verantwortlich für die Holweider Selbsthilfe war Sabine Nikodem (Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des „Holweider Selbsthilfe e. V.“).

In der theoretischen Vorbereitung haben wir uns an den von Maria Lüttringhaus und Hille Richers entwickelten Leitfaden im „Handbuch Aktivierender Befragung“ (herausgegeben von Der „Stiftung Mitarbeit“) orientiert.

Das Projekt Aktivierende Befragung in der Gerhart-Hauptmann-Siedlung startete im März 2004. Geplant war eine Befragung in der GHS sowie im Kölner Stadtteil Ostheim.

In der Vorbereitung gab es ein Arbeitstreffen in der „HoSe“ und parallel das Theorie und Praxisseminar für die Studenten an der FH Köln. Im Laufe des Projektes wurden die Treffen zusammengelegt und fanden ausschließlich in den Räumen der „HoSe“ statt.

Im März wurden von Sabine Nikodem und Rolf Blandow (Sozialarbeiter und Geschäftsführer des „Veedel e. V. in Köln-Ostheim) die Grundlagen zu GWA und zur aktivierenden Befragung an die Studenten vermittelt. Das methodische und weitere organisatorische Vorgehen und ein Verlaufsmodell wurden gemeinsam mit den Studenten entwickelt. Im April erfolgte die Teilnehmende Beobachtung in der Siedlung und deren Auswertung. Anschließend wurden die Experten ausgewählt und der Gesprächsleitfaden entwickelt. Darauf folgte die Expertenbefragung.

Ziel dieser Teilnehmenden Beobachtung war, vermeintliche Konfliktpunkte zu sammeln. Anschließend wurden die Experten und Bewohner befragt. Die Ergebnisse dieser drei Befragungen wurden nebeneinander gestellt. Nach Beobachtungen der Studenten sind das Zusammenleben der verschiedenen Nationalitäten und das Fahrzeugaufkommen kein Problem. Hingegen bei der Bewertung der Infrastruktur, der Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, der Treffmöglichkeiten, der Bausubstanz, der Verschmutzung und Kommunikation sahen sie Handlungsbedarf.

Im Mai wurde ein Raster für die Auswertung der Expertenbefragung unter Hinzuziehung der Ergebnisse der Teilnehmenden Beobachtung entwickelt.

Im Juni wurde der Fragebogen für die Bewohnerbefragung erarbeitet. Das Befragungsgebiet wurde in drei Abschnitte eingeteilt. Die Bewohnerbefragung fand vom 27.09. bis zum 15.10.04 statt. Sie wurde durch Verteilung von Informationsblättern angekündigt.
In diesem Zusammenhang wurde ein Vorbereitungsteam für Pressemitteilungen und Öffentlichkeitsarbeit gebildet. Die Auswertung des Fragebogens erfolgte parallel. Gleichzeitig wurden die Experten mit einem Schreiben über den aktuellen Stand der Befragung informiert. Am 22.10.04 war die Auswertung abgeschlossen. Der Termin für die Bewohnerversammlung, auf der die Ergebnisse präsentiert werden sollten, wurde auf den 26.11.04 festgelegt.

Ergebnisse:
1. Alkohol und Drogenproblematik
2. Nachbarschaftskonflikte
3. Zustand der Spielplätze
4. Jugendarbeitslosigkeit
5. Ausländeranteil
6. Gewalt und Kriminalität

Es wurde entschieden, für die Präsentation sowohl die positiven Nennungen sowie die Problembereiche und auch genannte Lösungsvorschläge darzustellen. Alle Nennungen wurden mit Zitaten von Bewohnern erläutert. Die Bewohnerversammlung fand am 26.11.04 in den Räumen des „Kinder- und Jugendzentrums Picco“ statt. 30 Bewohnern sind den Einladungen zur Versammlung gefolgt.

Das Hauptinteresse der Anwesenden galt der Verschmutzung der Siedlung und dem damit verbundenen Image der Siedlung und der Verkehrssituation. Mit den Bewohnern wurde für Januar ein erstes Arbeitstreffen verabredet.

Im März 2005 wurden die bisherigen Ergebnisse der Bewohner- und Expertenbefragung in der Expertenversammlung präsentiert.

Dieses Projekt war ein voller Erfolg. Die Resonanz der Bewohner war ausgesprochen positiv. Über die Hälfte haben an der Befragung teilgenommen. Daraus hat sich eine Bewohnerinitiative gegründet mit dem Ziel, das Image ihrer Siedlung zu verbessern. Wegen der regen Teilnahme an unserer Befragung war das Ergebnis repräsentativ. Aus den Ergebnissen dieser Befragung leiten sich weitere Arbeitsaufträge ab.